Neues aus Andreas Hundewelt

31.03.2017                                                                                                                                                 zum letzten Artikel ->

Barfen (Biologisch Artgerechte Roh Fütterung) ist kein Hexenwerk!

In meinem ersten Artikel habe ich deutlich gemacht, dass ich meinen Hund aus guten Gründen barfe. Allen, die der Ansicht sind: „Würde ich auch gerne machen, wenn…

  • der Aufwand nicht so groß wäre!“
  • es nicht so kompliziert wäre!“
  • ich sicher sein könnte, dass mein Hund auch alles bekommt was er braucht!“
  • es nicht so teuer wäre!“
  • etc., etc., etc…“

möchte ich, im Sinne der Tiergesundheit, Folgendes ans Herz legen: Barfen ist, im Gegensatz zur landläufigen Auffassung, kein Hexenwerk! Der zeitliche Aufwand ist mit ein bisschen Organisation gering zu halten. Kompliziert wird es erst, wenn man mit einem Perfektionsanspruch statt mit gesundem Menschenverstand an die Sache rangeht. Auch die Kostenseite hält sich in vernünftigen Grenzen, denn viele der sogenannten „guten“ Fertigprodukte der Futtermittelindustrie sind de Fakto teurer! Und eine angemessene und ausgewogene Versorgung mit Nährstoffen können Sie mit 3 einfachen Tipps, die auch ich lediglich dem Internet entnommen habe, im Griff behalten:

  1. Viel Abwechslung, sowohl in Gemüse, als auch Fleischsorten, stellt eine angemessene und ausgewogene Nährstoffversorgung sicher.
  2. Mit Knochen, Innereien oder Kartoffeln nicht übertreiben.
  3. Zwei Drittel Fleisch, Knochen und Innereien ergänzt mit einem Drittel gegartem und püriertem Gemüse stellen eine ausgewogene Mischung dar (was individuell je nach Rasse, Stoffwechsel, oder Anforderungen an den Hund natürlich schwanken kann).

Wie sieht das jetzt in der konkreten Umsetzung aus?

Schritt eins: Ich schnappe mir meinen großen Topf und gare die Gemüsemischung der Woche grundsätzlich in dem Inhalt einer großen Dose Tomaten, was einerseits eine fettfreie Garsubstanz darstellt und andererseits für einen guten Geschmack sorgt. Das Gemüse wird nur gewaschen und in grobe Stücke geschnitten. Nur schlechte oder verholzte Stellen entfernen – mehr Aufwand ist nicht nötig. Bei Kartoffeln Augen bitte unbedingt entfernen, da sie giftig sind. Beim Spinat die Stilansätze weg, weil sie wie ein Zigarettenfilter die Giftstoffe zurückhalten, damit sie nicht in die Pflanze gehen. Gerne auch jede Menge Kräuter integrieren. Feste Wurzelgemüse zuerst garen und zarte Blattgemüse am Schluss, damit sie nicht zu Tode gegart werden! In der Regel reicht es den Herd abzustellen und den Spinat der Resthitze zu überlassen.

Schritt zwei: Die gegarte Gemüsemischung anschließend mit Salz würzen. Das ist wichtig, weil Raubtiere ihren Natriumbedarf über das Blut ihrer Beute sicherstellen. Unser Fleisch ist heutzutage zu gut abgehangen und verfügt über zu wenig Blut für die Hundeernährung! Dann noch ein hochwertiges Öl zu setzen, damit auch öllösliche Vitamine vom Organismus verarbeitet werden und gute Fettsäuren das Nährstoffangebot abrunden. Viele schwören auf Leinöl. Ich persönlich nehme Distel Öl. Für manche Hunde mit strapazierten Gelenken ist zusätzlich Grünlippenmuschelextrakt zu empfehlen. Bei Hunden, die keine Knochen mehr vertragen bietet sich für die Kalziumversorgung fein gemörserte Eierschale an.

Schritt drei: Das Ganze mit dem Zauberstab pürieren, um es für den Hund gut verdaulich zu gestalten. Die Idee dabei ist, den vorverdauten, pflanzlichen Nahrungsbrei im Verdauungstrakt des Beutetiers zu imitieren. Durch das Pürieren kann man auch Kohlgemüse, Lauch und andere als schwer verdaulich beschriebene Gemüse bedenkenlos füttern. Das ist zumindest meine Erfahrung, auch wenn manche Experten im Netz davon abraten. Anschließend lassen Sie alles gründlich auskühlen.

Schritt vier: Genügend Gefrierbeutel bereitstellen, um die Tagesrationen aus zwei Drittel rohem Fleisch, Knochen und Innereien und einem Drittel Gemüsemischung einzutüten und einzufrieren, so dass mit einem Aufwasch ein Wochenbedarf oder mehr, hergestellt ist. Sie können abends jeweils die Ration für den nächsten Tag rausnehmen und auftauen und müssen erst nächste Woche wieder ran! Und das gilt nur für mich und meinen 32 Kilo Schäferhund Mix! Wer einen süßes 10 Kilo Zwergelchen hat, muss erst in 3 Wochen wieder ran!!!

Einige praktische Erfahrungswerte möchte ich allen Interessierten noch mitgeben:

  • Stellen Sie Chargen mit und ohne Knochen her, damit Ihr Hund nicht mit zu vielen Knochen gefüttert wird – drei Mal in der Woche reicht! Tipp: Wenn Sie eine Charge mit grünen Gemüsen machen und die andere bspw. mit Möhren und Kartoffeln, dann können Sie sie auf den ersten Blick an der Farbe unterscheiden ohne sich mit Etiketten abzuplagen zu müssen.

  • Nehmen Sie die Portionen am Vorabend aus der Tiefkühlung und tauen sie außerhalb des Kühlschrankes auf, sonst laufen Sie Gefahr, dass morgens noch Teile der Ration gefroren sind.

  • Wenn das Futter zwar aufgetaut ist, sich aber noch kalt anfühlt, lassen Sie sicherheitshalber warmes Wasser über den Beutel laufen, damit Ihr Hund sich nicht den Magen mit zu kaltem Essen verdirbt.

  • Halten Sie Dosenthunfisch (im eigenen Saft!) und Erbsen und Möhren in Dosen im Vorrat. Das ist immer eine gute Alternative, wenn Sie in der Hektik des Alltags mal vergessen haben eine Portion aufzutauen. Erbsen und Möhren natürlich vorher pürieren.

  • Im Frankreichurlaub habe ich festgestellt, dass in der Küche des Ferienhauses kein Pürierstab zur Verfügung stand. Da habe ich auf ein Ratatouille im Glas aus dem Supermarkt (87% Gemüse, wenig Salz und Zucker, gutes Olivenöl und Herbes de Provence) zurückgegriffen und das Ganze mit den Tagesangeboten aus der Fleischtheke kombiniert. Das war eine preisgünstige Alternative und mein Hund hat es so geliebt, dass meine einzige Sorge war, dass ich in Zukunft alles mit Provence Kräutern würzen müsste!

Abschließend möchte ich betonen, dass ich hier keinen wissenschaftlichen Ansatz verfolge, sondern lediglich meinen gesunden Menschenverstand einsetze. Der Erfolg gibt mir, mit Blick auf die Barfprofile meines Hundes, sicherlich Recht. Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass es genau wie in der Menschenwelt individuelle Unterschiede geben wird. Also checken Sie Ihre Erfolge bitte, indem Sie Ihren Tierarzt von Zeit zu Zeit ein Barfprofil erheben lassen, um auf der sicheren Seite zu sein. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich die dabei entstehenden Kosten mit einer besseren Grundgesundheit Ihres Hundes bezahlt machen. Ein grundsätzlich gesünderer Hund muss weniger häufig beim Tierarzt vorgestellt werden.

01.02.2017

vor einiger Zeit sind mir zwei Bücher in die Hände gefallen, die ich erst nach reiflicher Überlegung in die Hand genommen habe. Intuitiv habe ich wohl befürchtet, mich mit vielen bereits gemachten Fehlern im Umgang mit der Gesundheit meines Hundes Ben (zehnjähriger Saluki-Schäferhund Mix), konfrontiert zu sehen. Und so war es dann auch.

Superhund BEN

Als Ben vor dreieinhalb Jahren zu mir kam, kam er aus einem Haushalt, in dem er für 3 Tage Trockenfutter in den Napf bekam und sich erstaunlicherweise sein Essen selbständig eingeteilt hat. Da der Bursche munter war und sein Fell einen schönen Glanz hatte, dachte ich mir, dass die Ernährung über Trockenfutter schon nicht verkehrt sein könne. Natürlich achtete ich dabei auf die analytischen Werte und kaufte „nur vom Feinsten“!

Da er es liebt in offenen Gewässern zu baden, fing er sich immer wieder Pyrodermien in der Leiste ein, entzündliche Ekzeme, die durch Keime in eben diesen Gewässern entstehen. Um seine Haut zu stabilisieren und ihn widerstandsfähiger gegenüber diesen Keimen zu machen, stellte ich seine Ernährung auf getreidefreies Trockenfutter um. Mit dem fragwürdigen Ergebnis, dass mein Hund bei gleicher Futtermenge und gleichbleibender Bewegung anfing fett zu werden. Wie konnte das denn jetzt sein?!?

Ich bin schlicht auf das Geschwätz des Verkäufers in einem der einschlägigen Futterläden hereingefallen, der mir versicherte, es handele sich um die deutsche Entsprechung des Premiumfutters Wolfsblut und sei sehr zu empfehlen. Auf Grund dieser Empfehlung hatte ich es tatsächlich versäumt, mir die analytischen Werte anzuschauen. Wenn ich es getan hätte, hätte ich diesen Mist im Leben nicht gekauft, geschweige denn meinem Hund zugemutet. Offenkundig werden bei getreidefreiem Industriefraß die Getreide durch Fette ersetzt! 20 bzw. 25% Fettanteil, je nachdem in welcher Kette man einkauft.

Da war der Moment gekommen, in dem ich mir geschworen habe, dass in meinen Hund nie wieder etwas reinkommt, dass nicht vorher als Rohstoff durch meine Hände gegangen ist. Von Stund an habe ich meinen Hund gebarft (BARF Biologisch Artgerechte Roh Fütterung). An Kauartikeln gab es von jeher nur getrocknete Natursnacks. An Leckerli gibt es ausschließlich plattierte und getrocknete Fleischstreifen, die ich mit Hilfe Gartenschere auf Leckerliformt schnippele. Seine Haut ist nicht vollständig pyrodermiefrei, aber er hat weit weniger Befälle als früher. Seine Figur ist völlig in Ordnung. Er ist mit seinen mittlerweile 10 Lebensjahren ein fitter, lebendiger und gut gelaunter Hund, der nach Herzenslust seinem Badehobby frönt. Allerdings muss ich gestehen, dass ich auch immer ein Handtuch im Autoi habe, das mir ermöglicht, die Leistengegend schon mal trocken zu legen, damit gar nicht erst das feuchtwarme, ekzemfreundliche Klima entsteht!

Da man ja von Seiten der Tierärzte und der Futtermittelindustrie zielgerichtet verunsichert wird und eingeredet bekommt, dass Barfen enorm viele gesundheitliche Risiken durch Über- oder Unterversorgung von Nährstoffen birgt, habe ich meine Tierärztin nach den ersten vier Monaten ein Barfprofil erstellen lassen. O-Ton meiner Tierärztin, die dem Barfen eher kritisch gegenübersteht: „Ich habe noch nie so ein gutes Barfprofil gesehen. Jeder Wert im Normbereich.“ Ein Wert war nicht ganz einwandfrei und konnte laut meiner Tierärztin ein Hinweis auf einen leichten Magnesiummangel sein, allerdings nicht besorgniserregend. Von Stund an wurde Kohlrabi ins den Gemüseanteil integriert und das Barfprofil, das ein Jahr später erneut erhoben wurde, war völlig einwandfrei.

Und was ich betreibe ist keineswegs Hexenwerk. Ich beherzige lediglich ein paar im Internet zusammen recherchierte Tipps: Viel Abwechslung, was Fleisch- und Gemüsesorten angeht, nicht übertreiben mit Knochen, Innereien und Kartoffeln, hochwertiges Öl einsetzen, damit öllösliche Vitamine vom Organismus verarbeitet werden können.

Dieses Plädoyer für rohes Fleisch mit Knochen und Innereien in Verbindung mit gegartem und püriertem Gemüse gehört allerdings nicht in das Kapitel der eingangs erwähnten befürchteten Fehler im Umgang mit der Gesundheit meines Hundes, sondern stellt hier die Erfolgsgeschichte dar. Hier bin ich meinen Intuitionen gefolgt und habe mich nicht verunsichern lassen und den Versuch mit Erfolg gewagt.

Fehler habe ich gemacht, indem ich meiner, wie ich heute weiß, richtigen Intuition hinsichtlich der Themen jährliche Impfung, vierteljährliche Wurmkur, Behandlung mit Antibiotika usw. nicht gefolgt bin. Heute weiß ich, dass mein ungutes Gefühl hinsichtlich dieser Dinge, absolut seine Bewandtnis hatte

.Dr. Jutta Ziegler, eine in Österreich praktizierende Tierärztin, macht keine Gefangenen, wenn es gilt, die durchaus mafiös anmutenden Strukturen zwischen Futtermittelindustrie und Tierärzten anzuprangern. In ihrem bereits 2011 erschienen Schwarzbuch Tierarzt: „Hunde würden länger leben, wenn… illustriert sie anhand von Fallbeispielen aus ihrer eigenen Praxis, wie Krankheitsbilder, die auf der Basis von Fehlernährung und Fehlbehandlung entstehen bzw. verschärft werden. Auf diese Weise entsteht ein Teufelskreis, der sowohl der Tiergesundheit, als auch dem Seelenheil und dem Geldbeutel des Tierhalters schadet. Unter dem Strich lässt sich festhalten, dass die klassischen Ansätze in der Tiermedizin für akute Notfallmedizin und ggf. Operationen taugen (so denn eine OP überhaupt angezeigt ist!). Für eine gesundheitliche Profilaxe und zum Erhalt der Tiergesundheit sollte man, nicht ganzheitlich praktizierenden Tierärzten durchaus kritisch gegenüberstehen.

Lesen Sie bei einer Expertin nach, wie sich der jährliche Impfwahnsinn, der inflationäre Einsatz von Wurmkuren, Antibiotika und Kortison verheerend auf die Gesundheit unserer Lieblinge auswirken. Möglicherweise wird nicht jeder von jetzt auf gleich alles anders machen können und wollen und Kompromisse eingehen. Muss ich zum Beispiel auch: Da ich auf die Zusammenarbeit mit einer Hundepension angewiesen bin, da ich Ben nicht zu jedem Kunden mitnehmen kann, muss ich jährlich impfen, da die Pension veterinäramtlichen Kontrollen unterliegt und das Veterinäramt auf lückenlose Impfungen besteht.

Gleichwohl werden Sie durch die Lektüre in die Lage versetzt kritisch zu denken, kompetent die „gängigen Verfahren“ in Frage zu stellen und nach Alternativen zu fragen. Was zum Beispiel Wurmkuren angeht folge ich klar der Empfehlung meiner Heilpraktikerin. Wenn beim Anschauen des Kotes Verdachtsmomente auf Befall von Würmern oder Giardien ergeben, kann ich Proben im Labor untersuchen lassen und im Falle eines Befalles mit Medikamenten steuernd eingreifen. Aber keineswegs „prophylaktisch“ im Quartal ein hochgiftiges Medikament in den Hund stopfen, das sich organschädigend auswirkt. Genauso weigere ich mich Leber und Nieren meines Hundes durch den Einsatz von Spot-on Produkten zu schädigen. Mein Hund hat im Leben, trotz Einsatz von diesen Mitteln, reichlich Zeckenbisse abgekriegt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er auf diesem natürlichen Wege, längst gegen Borreliose gewappnet ist.

In ihrem zweiten Buch „Tierärzte können die Gesundheit Ihres Tieres gefährden widmet sich Frau Ziegler im Schwerpunkt neuen Wegen in der Therapie, schlägt also zusätzlich der von ihr propagierten artgerechten Ernährung im Sinne der Tiergesundheit, alternative Diagnose- und Behandlungsverfahren vor. Auch hier wieder reichlich untermauert von Fallbeispielen aus der eigenen Praxis. Sie bezieht sich übrigens in beiden Büchern sowohl auf Hunde, als auch auf Katzen. Die Bücher eignen sich also auch als Geschenk für den gesundheitsbewussten Katzenhalter;-)!