Vestibularsyndrom beim Hund

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Hinweis: Meine Ausführungen auf dieser Seite sind hier rein privater Natur und erheben keinesfalls Anspruch auf wissenschaftliche Korrektheit sondern sind nur unsere ganz persönlichen Erlebnisse mit dem Vestibularsyndrom.
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"Schlaganfall" beim Hund - ein häufiger Irrtum. Erfahrungsbericht zum Vestibularsyndrom (VS) beim Hund 

"Ihr Hund hatte einen Schlaganfall",  so lautet die Diagnose des Tierarztes. Was verbindet der Mensch damit, der Schlaganfälle im Grunde nur von Menschen kennt? Genau, der Hund hatte einen Gehirnschlag, und man malt sich aus, wie viele bleibende Schäden und Lähmungen der Hund behalten möge, ob das wieder wird oder ob man ihn nicht doch einschläfern müsste, um ihm weiteres Leid zu ersparen. Jede Sekunde zählt doch beim Schlaganfall beim Menschen, weiß doch jedes Kind, und ich als Hundehalter habe die Anzeichen nicht erkannt, ich bin schuld, dass mein Hund so leider muss! 
 
Genau das dachte ich auch, also ich den Anruf auf der Mailbox hörte, dass unser Mitgassigänger-Hunde laut Tierarzt einen "Schlaganfall" gehabt hätte. 
 
Nach nächtelangen Internetrecherche und Erfahrungsaistausch mit Betroffenen bin ich um 2 Erkentnisse reicher: 
  • das Vestibularsyndrom hat nichts mit einem "Schlaganfall" zu tun - der Vergleich ist falsch
  • das "Vestibular Syndrom" muss bei den Hundhaltern besser bekannt werden 
 
Der klassische Schlaganfall (Apoplexie) kommt beim Hund selten vor. Was aber dagegen sehr häufig auftritt, gerade bei älteren Hunden, ist das idiopathische/geriatrische Vestibularsyndrom, das leider von einigen Tierärzten als "Schlaganfall" bezeichnet wird. Ursache ist eine Durchblutungsstörung (unbekannter Ursache) im Vestibularorgan. Dieses befindet sich im Inneren des Ohres und kontrolliert das Gleichgewicht (deshalb wird es auch "Gleichgewichtsorgan" genannt. 
 
Häufige Symptome (und diese treten mitunter wie aus dem nichts auf) sind u.a. Kreislaufen (der Hund wirkt wie betrunken oder wie nach einer Narkose), Kopfschiefhaltung, Zucken der Augäpfel, Verwirrtheit, manchmal auch Herzrasen und Erbrechen. 
 
Auch wenn diese Erscheinung leider von der Tierärzten oftmals "Schlaganfall" genannt wird, hat das VS mit dem klassischen Schlaganfall (d.h. einer Durchblutungsstörung im Gehirn mit Absterben von Gehirnzellen und Lähmungen und Funktionsstörungen) absolut nichts zu tun. 
 
Das VS ist keine eigene Krankheit, es ist ein Symptom für eine andere Grunderkrankung. Das Vestibular-Syndrom als Störung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr lässt sich häufig auf eine generelle Durchblutungsstörung (z.B. wegen Herzschwäche) oder eine Enzündung im Körper zurückführen (dabei sind überproportional häufig Ohrenentzündungen und Infektionskrankheiten zu beobachten, bei unkastrierten Rüden z.B. auch Prostataenzündungen) oder auf eine Tumorerkrankung (vor allem Tumore an Blutbildenenden Organen wie die Milz). In wenigen Fällen lässt sich keine dieser typischen Grunderkrankungebn finden. 
 
Die Genesungsaussichten von den Auswirkungen des Vestibularsyndroms (Kopfschiefhaltung, Schwindel, Übelkeit etc.) sind gut und die Suche nach der Grunderkrankung wichtig! Aber erst einmal braucht der Hund viel ruhe, ruhe, und nochmals ruhe. Kennen Sie noch aus Ihrer Jugend nach dem ersten Betrunkensein das Gefühl, sich in einem drehenden Fahrstuhl auf dem Weg nach unten zu befinden? Bingo! So in etwa wird sich ihr Hund auch fühlen mit dem beeinträchtigten Gleichgewichtsorgan: ihm ist übel und schwindlig. Nach ca. 2-3 Tagen bessern sich die Symtome langsam und nach ca. 4 Wochen ist meist der alte Gesundheitsuzustand des Hundes wieder hergestellt. Es kann manchmal die Kopfschiefhaltung zurückbleiben und in einigen Fällen wiederholen sich die Anfälle, vor allem, wenn die Grunderkrankung nicht behandelt/gefunden wurde. Dabei kann der Verlauf dann bei weiteren VS jedes mal schlimmer werden! 
 
Mittel wie Kortison, Vitamin B12 und Karsivan werden häufig zur Behandlung bei Vestibularsyndrom gegeben, um die Durchblutung zu fördern. Ein echtes Medikament gegen das Syndrom gibt es jedoch nicht, wichtig ist es die Grunderkrankung zu finden und diese zu behandeln. 
 
Würden manche Tierärzte beim Vestibularsyndrom nicht von "Schlaganfall" reden, sondern von "Hörsturz" bzw. "Drehschwindel", käme man dem wirklichen Krankheitsbild viel näher und würde dies die Sorgen vieler vieler Hundehalter mildern (auch Katzen können übrigens betroffen sein).
 
Unser eigenen Hund "Herr Kaiser" bekam dann mit 16 Jahren 2x ein VS und erholte sich jedesmal schon wieder nach 2-3 Tagen vollständig. Eine Enzündung konnte ausgeschlossen werden. Auch das Herz als Ursache war ausgeschlossen, weil wir wenige Wochen vorher beim Kardiologen einen Herzultraschall mit Farbdoppler gemacht hatten und das Herz ok war. Letztendlich war es dann ein bis dato unentdeckter Milztumor, eine wohl recht häufige Tumorform bei älteren Hunden, der dann einige Zeit später platzte und unser Opi innerlich zu verbluten drohte. Wir mussten Ihn dann leider am 2.1.2015 einschläfern lassen.